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Stephan Mattner

Portrait Stephan Mattner

Um mich kennen zu lernen, möchte ich Sie und Dich mit hinein nehmen in eine Situation, in der ich mich selbst neu kennen lernte. Einige Tage Sommerurlaub, um Gedanken zu sortieren und rauszukommen. Das Hotel hat Strandlage, ich sitze mit meiner geliebten Ehefrau Sandra beim Abendessen am Zweiertisch. Nach viel plantschen und spielen im Meer schläft unser kleiner Sohn Elias bereits. Meine Stimmung nach diesem Tag ist super. Doch ich werde unterbrochen. Ein Zauberer baut seinen Tisch vor uns Hotelgästen auf. Es handelt sich um einen farbigen Mann Mitte/Ende Sechzig. Sein weißes Kurzarmhemd wird sein einziges sein. Die darüber gezogene Weste ist schmutzig und zu groß. Unangenehmer Geruch erfüllt die Luft. Er beginnt seine Zauberdarbietung und diese ist wirklich furchtbar. Die verwendeten Utensilien sind z.T. löchrig, die Tricks sind schlecht ausgeführt und die Taube aus dem Hut kommt aus einem Karton und hat kaum noch Federn. Seine beiden erwachsenen Töchter umrahmen das Programm mit Tanz und Gesang. Meine Stimmung sinkt rasant bergab. Ich ertappe mich, wie meine Gedanken sich überschlagen: „muss das jetzt sein?“ und „wie sinnlos“. Noch während ich mit mir beschäftigt bin, ertappt mich meine Ehefrau. „Wie siehst du diesen Mann und seine beiden Töchter? Jeden Abend bieten sie ihre Show den reichen Weißen. Jeden Abend Glück und Freude ausstrahlen müssen. Obwohl sie wahrscheinlich unter schlechtesten Bedingungen im Slum leben. Siehst du, wie alt ihre Hilfsmittel sind?“

Ich lebe nun selbst seit Juli 2018 in Ostafrika und ich weiß, diese Künstler tragen wahrscheinlich seit vielen Jahren ihre einzige Arbeitsbekleidung. Auch weiß ich mittlerweile, dass sich nur die „wohlhabenden“ Slum-Bewohner die Gemeinschaftsduschen im Slum leisten. Ich werde traurig und fühle mich zutiefst berührt.

Dazu weiß ich nun auch, dass die Töchter dieses Mannes es zumindest geschafft haben. Für sie ist der Weg in die Armutsprostitution nur Plan B. Das sind die zwei Welten, in denen ich lebe. Ich bin als Unternehmer in Ostafrika tätig. Ich treffe mich mit Botschaftsabgeordneten und kenianischen Geschäftsleuten. Und ich tue dies für die Frauen und Mädchen, die keiner sieht und niemand für sich arbeiten lassen will.

In der einen Welt bin ich Wirtschaftsingenieur und repräsentiere als Eigentümer unsere Unternehmen in Ostafrika. Die andere Welt meines Lebens steht inmitten gebrochener Herzen, enttäuschter Hoffnungen und wird durch zwei Sätzen vollumfänglich beschrieben: „Ich verkaufe meinen Körper aus Armut, das ist alles was ich habe. Bitte verurteile mich nicht.“

So ertappe ich mich immer öfter bei der Frage: Bist du bereit, die Menschen um dich herum durch die gleichen Augen sehen zu wollen, durch die Gott sie sieht?

Ein Satz, der mich sehr inspiriert, lautet: „Du hast nur ein Leben, um es an die Menschen zu verschenken.“ (Mutter Teresa) Dies ist der Antrieb meines Handelns geworden. Dies ist meine Motivation. Dies war der Grund, Jesus nach Kenia zu folgen, als er mir zusprach: „Komm folge mir nach.“